Das neue R Raymon AirRay E12.0.

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Die Burschen von e-mtb.com dem führenden Mountainbike Magazin haben das R Raymon Air E12.0 schon testen dürfen.

Hier ihr Bericht!

Mit dem AirRay E 12.0 erweitert R RAYMON ihr Portfolio um ein Light-E-Mountainbike. Statt auf immer mehr Akkukapazität und Motorpower setzt das Team auf das eigens entwickelte AIR DRIVE-Motorsystem und drückt so das Gewicht des Light-E-Mountainbikes unter die 20-kg-Marke. Geht das Konzept auf längeren Touren auf?

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Das AirRay E 12.0 ist das neue Topmodell aus dem Hause R RAYMON, das mit dem Bike bewusst auf das Wattstunden- und Motorleistungs-Wettrüsten verzichtet. Das wichtigste Ziel: ein leichtes E-Mountainbike, das auch von leichteren Fahrern problemlos gehandhabt werden kann, sowohl beim Fahren als auch beim Beladen des Heckträgers oder beim Rangieren auf der engen Kellertreppe. Um das Gewichtsziel umzusetzen, ist Carbon das Material der Wahl für den schwarzen Rahmen mit goldenen Akzenten. Für den nötigen Komfort des 29”-Bikes auf Touren und für mehr Trailspaß sollen 150 mm Federweg vorn wie hinten sorgen.

 

Der Yamaha AIR DRIVE-Motor im R RAYMON AirRay E 12.0

Mit dem AIR DRIVE-Motorsystem greift R RAYMON ein spannendes Motorkonzept auf und setzt ganz bewusst einen Gegenpol zur neuesten E-Mountainbike-Generation mit immer größeren und schwereren Akkus. Der AIR DRIVE basiert auf dem Yamaha PW-X2-Motor und wird im Topmodell AirRay E 12.0 mit einem kompakten und leichten 410-Wh-Akku kombiniert, der sich problemlos auch außerhalb des Bikes laden lässt. Für ein natürlicheres Fahrgefühl wird das maximale Drehmoment des PW-X2-Motors von 80 Nm auf 50 Nm reduziert und soll mit eigens angepasster Software vor allem Tourenfahrer ansprechen, die ohnehin nicht in der stärksten Unterstützungsstufe unterwegs sind. Wie beim Orbea Rise, das auf ein vergleichbares Motorkonzept setzt, können sportliche Fahrer ähnliche Reichweiten erzielen wie auf einem Allround-E-Mountainbike mit etwa 600 Wh Kapazität. Auf Wunsch verbaut der R RAYMON-Händler auch einen etwas schwereren und größeren Akku mit 500 Wh Kapazität. Genaue Angaben über die Reichweite des neuen AirRay E können wir euch aber nicht geben. Dafür hängt sie von zu vielen Faktoren wie Gewicht, Temperatur, Terrain und Co. ab.

Teil des AIR DRIVE ist Yamahas neues Interface X-Cockpit mit einer minimalistischen Daumenremote und einem super kompakten LED-Display am Vorbau. Es ist mit gängigen Displays von SIGMA und Garmin kompatibel. Die Darstellung auf dem optionalen altbackenen SIGMA EOX View-Schwarz-Weiß-Display kann aber nicht überzeugen. Vor allem im Automatic-Mode ist das SIGMA nahezu unbrauchbar: Auf dem Trail passt der smarte Modus die Fahrstufe permanent an die Fahrsituation an. Darauf reagiert das Display ebenfalls permanent mit einer Benachrichtigung, die alle relevanten Fahrdaten verdeckt. Bleibt zu hoffen, dass SIGMA bis zur Auslieferung der ersten Bikes mit Interface X nachbessert.
Das Yamaha Interface X wurde erst Anfang September 2021 in Kombination mit dem neuen, deutlich leichteren und kompakteren PW-X3-Motor vorgestellt, der beim R RAYMON AirRay E 12.0 jedoch nicht zum Einsatz kommt. Mit der neuesten Motorengeneration ließe sich die Geometrie – allen voran die Kettenstrebenlänge – besser für den Traileinsatz gestalten.

Die Ausstattung des R RAYMON AirRay E 12.0

R RAYMON setzt für das AirRay E 12.0 nicht nur bei Rahmen und Akku bewusst auf ein geringes Gewicht, sondern hat auch die Ausstattung des 7.299 € teuren E-Mountainbikes entsprechend gewählt. An der Front liefert eine RockShox Pike Ultimate 150 mm Federweg und am Heck holt der Deluxe Ultimate-Dämpfer 150 mm aus dem Carbon-Hinterbau. Das AirRay rollt auf sehr leichten, 29” großen Race Face Turbine SL-Laufrädern, auf die der leichte, aber auch sehr pannenanfällige Continental Mountain King in 2,3” Breite aufgezogen ist. Mit den Bremsen treibt R RAYMON den Leichtbau unnötigerweise auf die Spitze und setzt an unserem Test-Bike auf eine MAGURA MT Trail-Bremse mit Vierkolbensattel vorne und schwachem Zweikolbensattel am Heck. Vorne geht die Bremskraft in Kombination mit der 200 mm großen Scheibe in Ordnung. Die Kombination am Heck mit 180-mm-Scheibe und Zweikolbensattel wird auf Schotterabfahrten allerdings schnell zu heiß und hat für den Traileinsatz ohnehin zu wenig Bremspower. Auch die in Serie verbaute Formula Cura kommt am Heck ebenfalls mit Zweikolbensattel und 180-mm-Scheibe – schade. Im 440 mm langen Sitzrohr (Größe M) steckt eine hauseigene Variostütze, die mit 125 mm Hub zu wenig Verstellbereich bietet. Geschaltet werden die 12 Gänge mit der leichten Shimano XTR-Topgruppe, die mit den 50 Nm Drehmoment des AIR DRIVE leichtes Spiel hat. Am Race Face-Carboncockpit sind weiche Silikongriffe montiert: Sie werden hauptsächlich an Cross-Country-Race-Bikes verbaut und müssen sauber mit dem Lenker verklebt werden. An unserem Test-Bike haben sie sich ständig verdreht und liefern obendrein ohne Handschuhe kaum Grip.

 

Das R RAYMON AirRay E 12.0 im Detail

Die Integration des AIR DRIVE-Motorsystems stand bei der Entwicklung des AirRay offenbar an oberster Stelle. Sowohl der 500-Wh- als auch der 410-Wh-Akku findet im Unterrohr des AirRay E Platz und wird von einem klapperfreien Cover verdeckt. Auch der nach oben verdreht eingebaute Motor wird zum großen Teil von einem Cover verdeckt und so auch vor Schlägen und Aufsetzern an der Unterseite geschützt. Der Ladeport an der Sattelstütze lässt sich problemlos erreichen und auch der Geschwindigkeitssensor ist pannensicher ins Ausfallende integriert und wird mit einem Magnet an der Bremsscheibe kombiniert.
Die Zugführung am Rahmen ist durchdacht und läuft auch am Übergang zwischen Hauptrahmen und Hinterbau klapperfrei und gut gesichert. Für herkömmliche Trinkflaschen samt Halter liefert der Hauptrahmen zu wenig Platz zwischen Dämpfer und Unterrohr. Lediglich die ganz kleine FIDLOCK TWIST 450 soll laut R RAYMON bei allen Rahmengrößen passen. Auf einen Lenkeinschlagsbegrenzer verzichtet R RAYMON – zumindest am Vorserien-Bike –, wodurch die Dropper-Remote und der Shifter am Oberrohr anschlagen. Vor allem bei einem Crash kann hier ein größerer Schaden entstehen.

Das R RAYMON AirRay E 12.0 im ersten Test

Wir hatten bereits exklusiv die Möglichkeit, eines der ersten AirRay E 12.0 für euch zu testen. Im Vergleich zum Standard Yamaha PW-X2-Motor gibt sich der AIR DRIVE vor allem beim ersten Kontakt mit dem Pedal zivilisierter. Auch er reagiert unmittelbar auf den Druck am Pedal mit einem leichten Zucken, prescht aber nicht so stürmisch und unkontrollierbar vor wie der PW-X2. Akustisch ist der AIR DRIVE mit reduzierter Leistung leiser unterwegs, denn das kernige Surren unter Volllast des PW-X2 fällt bei reduzierter Leistung weg.

Geht es mit dem AirRay E 12.0 bergauf, erfordert das Motorsystem eine vorausschauende Fahrweise, denn einen zu schweren Gang kann der Motor mit seinen 50 Nm nicht ausgleichen. Hier heißt es rechtzeitig schalten. Auf richtig steilen Trails fehlt es ihm an Motorpower und Grip, um Hindernisse bergauf zu bezwingen. Stattdessen fühlt sich das AirRay E vor allem auf Wald- und Schotterwegen zu Hause und kann hier mit den meisten Allround-E-Mountainbikes der Bosch-Liga mithalten. Beim Beschleunigen aus Kehren zeigt sich der Vorteil der leichten Reifen- und Laufrad-Kombination, die den Druck am Pedal richtig spritzig in Vortrieb umwandeln.

Geht es bergab, gibt sich das R RAYMON mit seinen 19,44 kg im ersten Moment leicht, wendig und spritzig. Doch der erste Eindruck täuscht, obwohl durch den kurzen Akku wenig Last auf der Front liegt. Wegen der Form des Motors sind die Kettenstreben mit 475 mm sehr lang, wodurch das AirRay E auf dem Trail Agilität und Fahrspaß einbüßt. Obwohl die Front leicht ist, lässt sich das Vorderrad aufgrund der langen Kettenstreben nur schwer vom Boden abheben. Sobald es auf natürlichen Trails und Pfaden steiler wird, schiebt das lange Heck des R RAYMON seine Fahrer weit über die Front. Durch die eingeschränkte Bewegungsfreiheit (125 mm Stützenhub) lässt sich die Fahrposition auch nur schwer korrigieren. Auch Bremsen und Reifen trüben den Fahrspaß, sobald die Geschwindigkeiten höher oder die Trails härter werden. Auf weichem oder nassem Boden liefern Profil und Gummimischung des Continental Mountain King zu wenig Grip und in harten Anliegern walken sie auf der schmalen Felge zu sehr. Damit ist klar: Das R RAYMON AirRay E 12.0 ist nicht für maximale Trailperformance geschaffen und kommt dort aus seiner Komfortzone. Vielmehr will es auf Touren und in gemäßigtem Terrain zu Hause sein.

Mit dem AirRay E 12.0 steigt R RAYMON als erster Hersteller mit einem Yamaha-Motor in das Light-E-Mountainbike-Segment ein. Das Konzept um den AIR DRIVE-Motor mit leichtem Akku ist sehr spannend, ließe sich mit der neuen und kompakteren Yamaha-PW-X3-Motorengeneration jedoch vor allem in Bezug auf Agilität und Trailhandling deutlich besser umsetzen. Wer ein Bike für den harten Traileinsatz sucht, wird woanders besser fündig. Stattdessen eignet sich das R RAYMON AirRay E 12.0 eher für längere Touren auf Wald- und Wiesenwegen, sowie entspanntem Fahren auf Trails und überzeugt in der Handhabung abseits des Sattels.

Der UVP wird mit € 6.999,- angegeben.